MGH Constitutiones online

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Seit kurzem ist die digitale Vorabedition der »Constitutiones et acta publica imperatorum et regum 1357–1378« der Monumenta Germaniae Historica online zu erreichen. Zu den technischen Kernmerkmalen gehören u.a. eine normalisierte Suche und die Integration einer »Timemap«. Mathias Lawo und Alexander Czmiel von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) schalteten die digitale Edition Anfang Oktober im Rahmen der Tagung »Digital Diplomatics 2011« in Neapel frei.

Die MGH Constitutiones

Unter dem Dach der »Monumenta Germaniae Historica« (MGH) werden seit Anfang des 19. Jahrhunderts mittelalterliche Texte ediert und publiziert. Das Teilprojekt »Constitutiones et acta publica imperatorum et regum« ist an der BBAW angesiedelt und erstellt eine Textauswahl, die für den Zeitraum 911–1378 die oberste Ebene der Verfassungswirklichkeit des mittelalterlichen Römisch-deutschen Kaiserreiches abbildet, sofern diese Einzelakte schriftlich festgehalten sind: So kommen vor allem kaiserliche Privilegien, Mandate und Briefe, daneben kurfürstliche Willebriefe, Fürstenbündnisse, Landfrieden und einschlägige Papstschreiben zur Publikation. Bisher noch nicht in den Constitutiones erfasst ist die jeweils spätere Regierungszeit der Kaiser Ludwig IV. (»der Bayer«) und Karl IV., das heißt die Jahre 1331–1347 bzw. 1357–1378.

Das Problem der gedruckten Urkundeneditionen

Die sachlich gebotene und übliche Publikation in chronologischer Folge setzt voraus, dass die Überlieferungsträger in ihrer Gesamtheit gesichtet und gesammelt sind. Erst dann kann der Druck beginnen. Die Sammlung ist jedoch ein langfristiger Vorgang, da sich die Ausfertigungen und Abschriften allein der Urkunden Karls IV. auf über 300 Archive und Bibliotheken in über einem Dutzend europäischer Länder verteilen. Editionsreif bearbeitete Urkunden bleiben damit über längere Zeit unveröffentlicht. Das ist für die Bearbeiter, für künftige Nutzer und für die finanzierenden Stellen unbefriedigend. Durch eine im Internet frei zugängliche digitale Edition wird dieses Problem ausgeräumt: Nun können einerseits bereits edierte Urkunden veröffentlicht werden, andererseits wird die notwendige Gründlichkeit bei der Sammlung der Quellen nicht hintangestellt. Außerdem ist es nunmehr möglich, im chronologisch sortierten Datenbestand Ergänzungen vorzunehmen.

Die digitale Edition

Die digitale Edition der Constitutiones wurde von der TELOTA-Arbeitsgruppe der BBAW umgesetzt. Als Basis wurde zuerst ein XML-Format erarbeitet, das sich nach den Vorgaben der Charters Encoding Initiative (CEI) richtet. Die damit ausgezeichneten Urkunden wurden in eine eXist-Datenbank eingepflegt, die Teil der Scalable Architecture for Digital Editions (SADE) ist. SADE – eine Eigenentwicklung der TELOTA – ist ein Framework zur digitalen Publikation wissenschaftlicher Editionen.

Screenshot der Timemap

Neben dem obligatorischen Urkundenverzeichnis wurde eine Karte mit Zeitstrahl in den Webauftritt integriert. Dadurch ist es dem Benutzer möglich, die Ausstellungsorte der Urkunden im zeitlichen Verlauf zu betrachten und so z.B. den Weg des königlichen Hofes zu verfolgen. Per Klick auf eine Markierung erhält der Nutzer erste Informationen zur Urkunde und kann sie von der Karte aus aufrufen. Für diese Funktion wurde timemap.js benutzt, eine Javascript-Bibliothek, die das Zusammenspiel eines Kartendienstes (Google, OpenLayers oder Bing) mit der SIMILE Timeline ermöglicht. Die Raum- und Zeitdaten werden dabei der Datenbank entnommen.

Selbstverständlich kann auch über eine Suchfunktion auf den Datenbestand der MGH Constitutiones zugegriffen werden. Dabei können Orts- und Personennamen (»named entities«), die in verschiedenen Schreibweisen vorliegen, gefunden werden. So findet die Suche nach Mainz auch die Schreibweisen Maguntinum, Meyntz oder Moguntinensis. Die verschiedenen Schreibweisen wurden für jeden Namen manuell in der Datenbank hinterlegt.

Die Urkunden sind über ihre URL zitierfähig.  Darüber hinaus kann der Nutzer die jeweilige Urkunde als XML oder PDF herunterladen. Für den (gemäß seinen diplomatischen Bestandteilen farbig markierten) Urkundentext wurde als Schriftart Junicode verwendet, um auch spezielle diakritische Zeichen darstellen zu können.

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